Neulich habe ich bei einem 7-jĂ€hrigen Jungen an einem neuen (bleibenden) Backenzahn Karies festgestellt. Die Mutter war etwas schockiert, da sie großen Wert auf die Zahnreinigung legt und bei ihrem Sohn auch schon regelmĂ€ĂŸig Zahnseide anwendet.

In einem Punkt konnte ich die Mutter beruhigen: Die Karies kam nicht aufgrund unzureichendem ZĂ€hneputzen. Der Grund fĂŒr das Loch im Zahn kurz nach dessen Durchbruch in die Mundhöhle war, dass er an der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH, erkrankt war.

MIH ist eine entwicklungsbedingte Erkrankung der Zahnhartsubstanz. Schon vor dem Durchbruch der betroffenen ZĂ€hne in die Mundhöhle kommt es auf dem betroffenen Zahn zu gelblich-brĂ€unlichen oder weißlich-cremefarbenen Flecken. Die Molaren sind ĂŒbrigens die BackenzĂ€hne, die Inzisiven die SchneidezĂ€hne. Zweitere sind jedoch seltener und meist weniger stark betroffen. Deutschlandweit leiden etwa 10% der Grundschulkinder an dieser Erkrankung.

Was unterscheidet die MIH-ZĂ€hne von den gesunden ZĂ€hnen?

Neben der FarbverÀnderung haben die betroffenen ZÀhne eine schlechtere SchmelzqualitÀt. Der Schmelz ist weicher und poröser. Dadurch kann es wÀhrend oder kurz nach dem Durchbruch des Zahnes zu einem Abplatzen der betroffenen FlÀchen kommen.

Die an MIH erkrankten ZĂ€hne sind hĂ€ufig auch stark temperatur- und berĂŒhrungsempfindlich. Sie sind somit viel anfĂ€lliger fĂŒr Karies als gesunde ZĂ€hne und mĂŒssen so leider schon frĂŒhzeitig vom Zahnarzt behandelt werden.

Wie kommt es zu dieser MIH-Erkrankung?

Die genaue Entstehung der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation ist noch nicht geklÀrt. Es wird vermutet, dass ein Zusammentreffen unterschiedlicher Faktoren, die wÀhrend des Zeitraums der Zahnentwicklung der befallenen ZÀhne (8. Schwangerschaftsmonat bis etwa zum 4. Lebensjahr) einwirken. Hierbei werden insbesondere chronische Erkrankungen des Kindes, Medikamenteneinnahmen sowie Umwelttoxine als mögliche Ursachen diskutiert.

Die Erkrankung kann somit prĂ€-, peri- oder postnatal eintreten. Es gibt also keine Maßnahmen, um sie zu verhindern, jedoch gute therapeutische Maßnahmen durch den Zahnarzt.

Was kann der Zahnarzt gegen MIH unternehmen?

Ein Zahnarzt kann einen MIH-Zahn sofort beim Blick in die Mundhöhle eines Kindes erkennen. Betroffene ZĂ€hne werden mit einer Fissurenversiegelung versorgt. ZusĂ€tzlich wird im Abstand von etwa 3 bis 6 Monaten ein hochkonzentrierter Fluoridlack aufgetragen. Beide Maßnahmen sollen den Zahn vor Kariesbefall beschĂŒtzen.

Im Falle meines 7-jĂ€hrigen Patienten ist es leider bereits zu einem Verlust von Zahnhartsubstanz und dem Befall von Karies gekommen. Eine FĂŒllung aus Komposit war somit notwendig.

Es ist also Ă€ußerst wichtig, dass Sie regelmĂ€ĂŸig und frĂŒhzeitig mit Ihren Kindern zum Zahnarzt kommen, so dass MIH frĂŒhzeitig erkannt werden kann.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie helle Flecken auf den ZĂ€hnen Ihres Kindes finden. Je frĂŒher Sie uns Ihr Kind vorstellen, umso grĂ¶ĂŸer sind die Chancen auf eine entspannte Behandlung.